Hüftfehlstellungen bei Babys


Schadet Pucken der Hüfte?
Hüftfehlstellungen bei Babys

Pucken heißt ein Trend in der Kinderpflege, der Schreibabys beruhigen und Säuglingen beim Ein- und Durchschlafen helfen soll. Doch es gibt Hinweise, dass die raffinierte Wickeltechnik der Hüfte schadet.

Nachträgliche Hüftfehlstellungen geben Rätsel auf

Dieser rätselhafte Fall wiederholt sich derzeit in vielen Kinderarztpraxen: Ein etwa drei Monate alter Säugling zeigt plötzlich Hüftreifungsstörungen. Der Arzt fordert das Röntgenbild der Hüfte an, das zwei Monate zuvor im Rahmen der U3-Untersuchung angefertigt wurde. Er betrachtet es genau, entdeckt aber keinerlei Auffälligkeiten. Was ist in der Zwischenzeit geschehen? „Die Ursachen für diese Entwicklung der letzten Jahre sind nicht ganz klar, aber ein Zusammenhang mit dem Pucken ist sehr wahrscheinlich“, berichtet Dr. Tamara Seidl, Oberärztin der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie am Franziskus Hospital in Bielefeld.

Neue Technik mit alten Wurzeln

Pucken ist die Neuinterpretation einer jahrhundertealten Technik. In vielen Kulturen umwickelten Mütter ihre Neugeborenen seit Menschengedenken fest mit Stoffbändern. Diese Wickeltechnik soll Wirbelsäulenverkrümmungen und Beinfehlstellungen vorbeugen und das Kind beruhigen. Moderne Eltern benutzen statt der Stoffbänder Decken oder Tücher. Ziel ist es, dem Säugling ein ebenso engumgrenztes, geborgenes Umfeld zu schaffen wie im Mutterleib. Studien belegen, dass Pucken das Einschlafen beschleunigt, das Durschlafen fördert und Schreibabys besänftigt.

Pucken verändert das Hüftwachstum

„Beim klassischen Pucken werden die Beine in Streckstellung aneinander gebunden“, erklärt Dr. Seidl. Diese Maßnahme verlangsamt und verändert nachweislich das Hüftwachstum. Im schlimmsten Fall droht eine Hüftdysplasie, bei der Gelenkkopf und –pfanne nicht mehr ineinanderpassen. „Das geht bis hin zum Ausrenken des Gelenks“, warnt Dr. Seidl. In Australien stieg die Zahl der Hüftdysplasien bereits auf das Dreifache an.

Quelle: Kinder- und Jugendärzte im Netz

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